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Mit kurzen Worten schildert Gisela im Buch "Maria, meine wahre Mutter", Seite 4-7, ihr Leben bis zu ihrer Bekehrung.

Kindheit

Denke ich zurück an meine Kindheit, so muss ich immer an Maria denken. Soweit ich mich erinnern kann, liebte ich Sie und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass Sie meine Mutter wäre.

Wir hatten eine kleine Marienstatue: Maria mit dem Jesuskind. Oft stand ich vor der Statue und flehte Sie an, mich als Ihr Kind anzunehmen. In kindlicher Einfalt sagte ich zu Ihr: „Du hast nur ein Kind, und deshalb hast du auch immer Zeit, Dein Kind auf dem Arm zu tragen. Meine Mutter hat fünf Kinder, und sie hat fast nie Zeit für mich.“ Gern wollte ich auch so wie Jesus auf den Arm der Mutter, und dadurch entfachte sich in meinem kleinen Herzen eine große Sehnsucht nach dieser Mutter.
Zu jenem Zeitpunkt dachte ich noch nicht an theologische Zusammenhänge, nur an die Mutter Jesu, so wie die Eltern es sagten. Wenn ich Sie anschaute, kam ein großes Verlangen, Sie zu besitzen, und oft sagte ich zu Ihr: ,,Ach, wärest Du doch meine Mutter.“
Wenn meine Mutter mit mir unzufrieden war, wenn sie schimpfte, dann ging ich zu Ihr und sagte: ,,Dein Kind hat es doch viel besser gehabt als ich, weil Du nie mit Deinem Kind schimpfen tust!“ Und es entschlüpfte meinem gequälten Herzen wieder: „Ach, wärest Du doch auch meine Mutter!“
Als ich älter wurde und man mir diese Dinge erklärte, da wurde meine Liebe zu Ihr erst recht kindlich, glühend. Es wäre mir sehr recht gewesen, wenn Sie mich mit in den Himmel genommen hätte. Oft ging ich in die Kirche und stellte mich vor den Marienaltar in der Hoffnung, dass Sie mich rufen würde: „Komm, Ich nehme dich mit.“ Doch nichts geschah. So viele Blumen, wie ich nur finden konnte, schenkte ich Ihr, um damit Ihr Herz zu erweichen - doch vergebens. Als ich zur Erstkommunion ging, quoll mein Herz vor Liebe zum kleinen Jesus und zur Gottesmutter über. Das blieb auch in der Jugendzeit so.

Ehe und Beruf

Als ich meinen Mann kennenlernte, wurde meine Freundschaft zu Jesus und Maria stark unterstützt. Er war früher Messdiener und in der Jugendarbeit tätig. Oft gingen wir wallfahren, es machte uns Freude.
Als wir geheiratet hatten, stellten wir uns nach der heiligen Messe unter den Schutzmantel Mariens. Wir gingen zum Marienaltar und baten die liebe Gottesmutter, unsere Ehe zu segnen. Gott schenkte uns in acht Jahren vier gesunde Kinder: erst zwei Mädchen, dann zwei Buben. Es ist unnötig, von der Arbeit zu berichten.
Anfangs gingen wir noch regelmäßig zur Sonntagsmesse, doch dann kam die gleitende Arbeitszeit, und so kam schon bald das Ende - das Aus! Wir wurden lau, dann lauer, und letztlich versuchten wir es ohne Kirche: Es ging – ja, es ging immer mehr bergab! Wenn es mir schlecht ging, fand ich den Weg zu Maria, die ja immer noch in meinen Gedanken zugegen war. Wenn es mir gut ging, habe ich Sie immer alleingelassen.
Wenn ich darüber nachdenke - und das tue ich heute oft mit großer Beschämung - erkenne ich, wie treffend die Worte Jesu sind, der sagte:
„Ach wärest du doch kalt oder heiß, aber weil du lau bist, will Ich dich ausspeien aus Meinem Mund.“
Schließlich machte ich es wie alle und ging arbeiten. Nichts in meinem ganzen Leben habe ich so sehr bereut wie diese Jahre. Es wurden schreckliche Jahre für die ganze Familie. Alles musste in Eile erledigt werden. .. Wir brauchten das Geld, aber je mehr ich verdiente, umso mehr gaben wir aus. Wenn es dann mal geschah, dass wir Weihnachten zur Christmette gingen, dann hatte ich vom Anfang bis zum Ende geweint: ...
So wie es war, war ich sehr unglücklich. ... Wir wollten das erreichen, was wir in unserer Kindheit entbehren mussten, dass nämlich die Kinder auf die höhere Schule gehen und einen guten Beruf ihrer Wahl erlernen konnten.
Daher fanden wir unser Glück allmählich im Mammon. Wir hatten uns am Anfang unserer Ehe unter den Schutzmantel Mariens gestellt und um Ihren Segen für unseren Ehebund erfleht. Nun aber hatten wir Sie vergessen...
Aber Maria uns nicht! Sie war treu, Sie liebte immer, auch wenn wir nicht an Sie dachten und nur noch weltliche Dinge suchten:
So kam bald eine andere Zeit. Durch Überarbeitung infolge von Dauerstress und ständiger Gereiztheit, was nicht mehr auszugleichen war, wurden wir beide krank. Mein Mann erkrankte 1984 schwer und musste in Frührente gehen, er war erst 48 Jahre alt. Ich hatte es durch den kranken Mann bald noch schwerer.
Und mitten in dieser Qual hatte ich einen schweren Autounfall. Zwei Jahre flog ich von einem Krankenhaus ins andere, es gab keine Heilung. Dann rieten mir gute Nachbarsleute, nach Lourdes zu fahren, denn dort würden doch viele geheilt.

Die Wende

In Lourdes fand ich zwar nicht die Heilung meines Körpers, wohl aber die Heilung meiner kranken, verdorrten Seele. Es geschah beim Beten des Kreuzweges. Ein netter Pater lud mich ein, den Kreuzweg mitzubeten. Zuerst sträubte ich mich, ging aber dann doch mit.
Es geschah an der fünften Station, als ich plötzlich die Worte in meinem Herzen vernahm:
„Ich tat es für dich, und was tust du für Mich?“
Meine tiefe Erschütterung lässt sich nicht gut beschreiben. Es war mir, als sei ich im Innern vom Blitz gestreift worden. Unfähig, das Geschehen zu erfassen, unfähig zu gehen (ich musste gestützt werden), ließ ich einfach meinen Tränen freien Lauf.
Nach dem Kreuzweg kam der gute Pater und empfahl mir zu beichten. Doch ich hatte Angst und lehnte ab (ich konnte nicht glauben, dass Gott mir alles verzeihen würde). Doch ein neues Wunder geschah: Ich hatte nichts Eiligeres zu tun, als auf mein Zimmer zu gehen und meine vielen Sünden aufzuschreiben! Dann stand ich zur vereinbarten Zeit tatsächlich auf der Wiese, um bei jenem Pater zu beichten. Er sah mich, lächelte so, als hätte er gegen die ganze Welt gewusst, dass ich kommen würde.
Mit der heiligen Beichte ging es besser als ich glaubte, und ich war danach in einem tiefen Frieden: Ich fühlte mich wie neugeboren!
Dann zerriss ich meinen Beichtzettel und warf ihn in die Gave[1]. So wie das Papier davonschwamm, so schwamm im eigentlichen Sinn mein vergangenes Leben mit. Schnell machte ich mich auf den Weg zur Grotte, um mich bei der lieben Gottesmutter zu bedanken.
Da vernahm ich eine zarte Stimme im Innern, ich hörte die Worte:
„Jetzt wird alles gut!“
Als ich nach Hause fuhr, war ich ein neuer Mensch. Ich fing wieder zu beten an. Schnell lernte ich das Rosenkranzgebet, es machte mir Freude. Doch vieles musste ich in der Familie und bei den Freunden erdulden; die weltlichen Freunde liefen davon, aber heute habe ich gute, christliche Freunde.